So vielversprechend hätte der Titel der heutigen Veranstaltung geklungen, im Rahmen der
Salzburger:Zukunfts:Dialoge: "Was die Gesellschaft zusammen hält." Zwei namhafte ReferentInnen zum Thema
Sozialkapital und Machtkompetenz als Treibstoff für Demokratie und politische Kultur.
Ich erfuhr dann, dass man Macht als "Willen gegen Widerstand durchsetzen" definiert und dass Bürgerinitiativen vorallem "hartnäckiger" und "weniger zimperlich"(wie bitte?!) sein sollten. BürgerInnen sollten am besten ein "Seminar für Macht-Kompetenz" besuchen. Und wenn eine Bürgerinitiative mit ihren Zielen nicht durchkommt, solle sie eben beim nächsten Mal "andere Instrumente" und "mehr SympathisantInnen" einsetzen. Sehr banal.
Das kommt mir doch von der BürgerInnen-Realität sehr weit entfernt vor: wenn es um die Standortfrage des Fußballstadions oder um die Erweiterung des Salzburger Flughafens geht, bleibt für Macht-Kompetenz-Seminare keine Zeit, sondern es geht innerhalb von kürzester Zeit um Sein oder Nichtsein.
WIE können sich BürgerInnen in solchen Situationen überhaupt öffentlich artikulieren, bekommen sie Gehör für ihre Meinung und Vorschläge oder werden sie von den politisch Verantwortlichen gleich geschickt ins "Verhinderer-Eck" abgeschoben? Können BürgerInnen in Behördenverfahren bestehen, wer hilft ihnen, ihre Einwände im Verfahren zu formulieren? Exakt HIER zeigt sich der Stellenwert von "Sozialkapital" in der politischen Kultur.
Stattdessen wurde in der ORF-Diskussion der Begriff Sozialkapital auf Nachbarschaftshilfe und die Kontakte im direkten Umfeld
"mit der Gemüsefrau, mit dem Taxifahrer" reduziert. Die Kernfrage nach der Rolle der Politischen Verantwortlichen beim Empowerment der BürgerInnen blieb unbeantwortet. Und auch die Fragen nach den Defiziten unseres Schulsystems blieben im Dunkel des ORF-Publikumsstudios hängen ...
Ein kleiner Trost: nicht nur ich, auch andere BesucherInnen dieser Veranstaltung waren über die wenig erhellenden Anleitungen zumindest irritiert.
p.s. zum Abrunden: ausgerechnet in einer Dialog-Diskussionsveranstaltung zum Thema "Machtkompetenz" entzieht der Moderator einem Teilnehmer aus dem Publikum das Wort und lässt das Mikrophon abschalten. Ein anderer Teilnehmer zieht daraufhin seine Wortmeldung zurück, weil er die Beschränkung auf "reine Fragen" nicht richtig findet. - Die beiden Referenten greifen nicht ein.
Am Ende erfahren wir nochmals: nicht so zimperlich sein.
p.p.s: ich MUSS unbedingt ein Seminar für Macht-Kompetenz besuchen...
Astrid Rössler - 22. Sep, 22:26